Online Gäste: 35 Mitgl.: 2 | Mitgl. Gesamt: 7.894 Neu: Walter_Gruber | Besucher Heute: 604 Gestern: 719 Gesamt: 2.009.161 Registrieren | Passwort? | Login

Silberlegierung als NEM verkaufen?

Bild des Mitglieds TEK-1

 

Ich höre immer öfter, dass Labore reduzierte Legierungen als NEM im Teleskopbereich verkaufen. Das hat mich erschrocken. Deswegen habe ich folgenden Text als Kurzmeldung, auf meiner Internetseite, als große Mailingaktion und hier jetzt als Foren-Thema gepostet.

 

Es erscheint mir ein wichtiges Thema, denn ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Lest selbst.

 

Grundsätzliche Feststellung:

 

Zahntechniker sind abhängig vom Zahnarzt.

 

So konnten Zahntechniker selbst in besten Zeiten nie eine eigene Berufsgenossenschaft gründen, Preise durchsetzen, Ihre Leistungen so verkaufen, wie auch andere Handwerker es tun. Somit waren sie immer in einer schwachen Ausgangslage. Aus Angst, den Zahnarzt zu ärgern, sprich zu verlieren.

 

Heute erlebe ich nach 700 Laborkursen ein ähnliches Szenario. Der Goldpreis ist immens hoch und Zahnärzte und Zahntechniker stöhnen, weil sie jetzt NEM Teleskope machen müssen. Sie stöhnen, weil die Ergebnisse unbefriedigend sind.

 

NEM Teleskope können genauso laufen wie Gold Teleskope, wenn Sie richtig verarbeitet werden.

 

Labore, die über NEM schimpfen, packen das Übel nicht an ihrer Ursache an und behandeln NEM Teleskope schlichtweg falsch. Vielleicht erhöhen sie einfach nur die Liquidkonzentration, nur reicht das leider bei weitem nicht, um goldähnliche Ergebnisse zu erzielen.

 

Woher sollen sie es denn auch wissen? Es wird ja auf keiner Meisterschule gelehrt, wie NEM im Teleskopbereich richtig verarbeitet wird. Die wissen es ja auch nicht. Also wird munter weiter experimentiert. Mit Pattern, Lichthärte-Kunststoffen und Billig-Silikonen werden NEM Teleskope zum puren Glücksspiel. Da hätte ich auch keinen Spaß dran.

 

Und was passiert jetzt? Der Zahntechniker verarbeitet günstigere Silber-Legierungen, verkauft es aber als NEM, um den Zahnarzt als Kunden nicht zu verlieren.

 

Die Preise für zahntechnische Leistungen hinken sowieso schon mit -30% hinter anderen Berufen hinterher. Und jetzt wird wieder draufgezahlt. Ganz zu schweigen von der Qualität besagter reduzierter Legierungen. NEM steht ganz oben, was die Biokompatibilität angeht. Daran ist nichts mehr zu rütteln.

 

Eines steht jedoch fest, auch wenn es so manche Glaubenssätze erschüttert:
Mit Gold ist heute kein Geld mehr zu verdienen. Zahntechniker verdienen an der Leistung und nicht am Gold-Rabatt. Auch höre ich oft den Satz: bei uns besteht zum Glück noch wenig Nachfrage nach NEM. Nachfrage nach irgendetwas bestimmt immer der Unternehmer und ich finde es sehr gefährlich, etwas nicht im Angebot zu haben, was absolut im Trend liegt.

 

Geld in der Zahntechnik wird in Zukunft mit NEM, Zirkon und CAD/CAM verdient.

 

Nehmen wir ein einfaches Beispiel anhand einer abnehmbaren teleskopierenden Brücke mit 7 Teleskopen, 3 Brückengliedern und 4 E-Zähnen:

 

Wir vergleichen die Arbeit zwischen einer NEM und einer Gold- oder Galvanoarbeit unter Berücksichtigung folgender Kriterien:

Preis /  Ästhetik  /  Biokompatibilität  /  Herstellungszeit  /  Funktion

 

Material NEM/EMF Legierung Gold/Galvano/Silber-Legierung
Preis Legierung 15 € (Einsatz) 1.000 – 2.500 je nach Leg.
Bio Eine Legierung Galvanische Elemente durch verschiedene Legierungen, ggf. sogar Lot.
Zeit Ein Guss, Eine Modellation, EInstückguss, Einen Tag schneller fertig Fast doppelte Arbeitszeit, gerade mit Pattern auch lange Rüstzeiten
Ästhetik Viel graziler im Käppchenbereich Gerade bei Galvano sehr klobige Gestaltung auf Kosten der Ästhetik
Funktion Grazile Gestaltung durch Einstückguss. Mehr Platz zum Gegenbiss Dicke Verbinder bei klassischen Arbeiten zwischen Sek/MoGu

 

 

Fazit: Hier steht nur eine Meinung und nur eine Wahrheit. Nämlich meine. Geprägt durch meine Erfahrungen, die ich selbst im eigenen Labor und auf meinen unendlichen Labor-Inhouse-Kursen erlebt habe.

 

Ich bin bekennender EMF (NEM) Freak, Liebhaber und ich bin begeistert von NEM.

 

NEM kann einfach viel mehr als Gold. Man muss NEM nur richtig behandeln und das richtige Material wählen.

 

Ich habe immer Visionen gehabt, die zu 95% eingetreten sind. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir in naher Zukunft nur noch NEM und Zirkon verarbeiten. Vielleicht kommt noch eine Kunststoff-Art hinzu. Gold wird ein Nischen-Produkt.

 

Verpasstn also nicht den Anschluss.
Herzliche Grüße
Rainer Ehrich

 


Kommentare

Buchmacher

Hallo Rainer,

zunächst einmal darf ich dir sagen, du hast mit deinen Ausführungen in Sachen EMF (NEM) absolut Recht!

Du schreibst, du bist „bekennender EMF (NEM) Freak“ , nun gut, dann sind wir ja schon zwei!

Wir, in unserem Labor verarbeiten seit 1977 EMF (NEM) zu Kronen Brücken TKs und Geschiebearbeiten (RS RSS) , teilweise auch mit individuellen Schwenkriegeln.

Das machen wir seit 1977 (und da kostete Goldlegierung ca. 15,-- DM also so etwa 7,50 €) , weil ich schnell gemerkt hatte, dass ca. 25 % unseres Umsatzes als durchgehender Posten, ohne Gewinnmarge, an Goldlieferanten ging.

Für die Verarbeitung von E-del M-etall F-reien  Legierungen bekamen wir damals 20 DM pro Einheit.

Das hieß  also Arbeitslohn statt Edelmetallkosten.

Sicherlich kommt an dieser Stelle immer der Einwand; „ aber die Mehrarbeit, die man durch EMF (meist wird an der Stelle dann auch noch verächtlich von Stahl gesprochen) hat.

Dazu kann ich nur sagen, man muss sich einfach mal etwas umschauen, was man zur Verarbeitung von EMF – Legierungen so braucht, dann sind die 20 Mark ein schönes Zubrot.

Natürlich, wenn man etwas nicht kann, dann ist es auch Mist, und man hat ja auch eine attraktive, Hochpreissiege Image  fördernde Alternative.

Ja ist richtig, richtig gelesen, Goldlegierungen sind eigentlich nur eine Alternative, um das Image zu heben.

Seit 1977 hätten wir kein e Goldlegierungen mehr verarbeiten müssen, und hätten trotz dem die gesamte Palette der machbaren Zahntechnik abdecken können.

Natürlich gibt es Allergiekranke Menschen, die keine Nickel- oder Kobaltbasislegierung vertragen, da muss man dann Gold einsetzen, oder man nimmt in solchen Fällen Titan.

Das haben wir dann seit 1987 gemacht.

Übrigens, es gibt auch Goldallergien, aber das nur nebenbei.

Also, es spricht alles für EMF.

 

Jetzt aber zu deinem Beitrag!

Mich erschreckt es also auch, wenn ich höre, und ich höre es ja jetzt nicht erst durch dich, ich vermute auf Grund des Gehörten, es ist gängige Praxis, das Goldfreie Edelmetalllegierungen auf Silber oder Palladiumbasis als EMF (NEM) „verkauft werden.

Das ist natürlich wirtschaftlich völlig daneben.

Nehmen wir mal eine drei Gliedrige Brücke, und nehmen da die minimal anzunehmende Gewichte:

Pro Kappe 1g Brückenglied 2g Materialkosten 20,-€ pro Gramm = 80,-€

EMF Zuschlag für die Arbeit = 30,-€

Verlust = 50,-€

Herzlichen Glückwunsch!

Gut, dass muss ja selber wissen, wie er sich umbringt, aber was ist denn jetzt mit dem MPG (heißt übrigens: Medizinproduktesgesetz) schon vergessen?

Wer in der Konformitätserklärung falsch deklariert  (Pd- oder Ag- Legierung als EMF) macht sich strafbar!

Wer einen klar definierten Auftrag bekommt, in dem EMF beauftragt wird, und wer diesen Auftrag annimmt, und dann etwas Anderes liefert als beauftragt, und sei seine Lieferung auch „hochwertiger“ setzt sich der strafrechtlichen Verfolgung aus.

Nehmen wir doch einfach mal den Fall, ein Patient, der auf Palladium allergisch reagiert, wird aus vorgenannten Gründen mit einer Palladium –Legierung versorgt.

Sa kann ich dem Kollegen, der das gemacht hat nur einen Rat geben, AUSWANDERN, aber ganz weit weg!

Wenn man es lernt, mit EMF umzugehen, und das kann man relativ schnell lernen, weil es Kollegen gibt, die ihr Wissen, was sie sich in Jahrzehnten angeeignet haben weitergeben, dann kann man sich das alles ersparen.

Man arbeitet da übrigens auch nicht mit Stahl, sondern mit einer Legierung aus hochwertigen Metallen.

Nur zum Vergleich, Titan ist da weit aus kostengünstiger!

liebe Grüße

Dieter Buch

laboca

@Buchmacher

 

ist ne Siladent Werbung,..  Ball flach halten.

Ich glaube nicht, das Palliag wieder ins Spiel kommt...

Buchmacher

Hallo laboca,

danke für den Hinweis.

Ich kenne Rainer Ehrich, und weiß, dass er mit Siladent zusammen arbeitet.

Einer meiner besten Freunde ist übrigens Außendienstmitarbeiter bei Siladent.

Auch finden in meinem Labor Kurse von Rainer Ehrich statt.

Ich weiß also, dass natürlich in der Aussage von Rainer auch werbliche Aspekte eine Rolle spielen.

Und trotz dem nehme ich kein Wort, von dem was ich geschrieben habe zurück.

Rainer kenne ich seit etwa 3 Jahren, die EMF (NEM) Technik machen wir seit 1977, das ist also völlig unbeeinflusst davon, das ich Rainer kenne.

Das Palladium- oder Silberbasislegierungen in Zukunft keine Rolle mehr spielen werden, davon bin ich, wie du überzeugt.

Bild des Mitglieds TEK-1
TEK-1

Hallo laboca,
Ich kann Dich verstehen, dass meine Beiträge immer nach Werbung riechen. Dieser "Klartext" Artikel war es nun aber nicht.Ganz im Gegenteil: ich glaube, dass ich dadurch sogar potentielle Kunden verloren habe. Der Artikel besteht aus Infos, die ich von vielen Zahntechnikern aus meinen unzähligen Kursen habe. Es sind also Realitäten. Übrigens: Werbung ist hier streng verboten, es sei denn ich bezahle dafür. Admin Thorsten sieht das sehr streng und das finde ich auch richtig.
Ich habe durch dieses Schreiben, was ich auch als Mailing-Aktion verwendet habe, sehr überdurchschnittlich viele Kurse verkauft, aber auch überdurchschnittlich viele Austräge aus meinem Newsletter. Dieser Text polarisiert in beide Richtungen, weil er einfach wahr ist. Es trifft den Zahntechniker an einer empfindlichen Stelle und das hilft oft. Und nur dazu ist dieser Artikel gedacht. Werbung mache ich genug auf meiner Internetseite... :-) Beste Grüße, Rainer Ehrich


Stillstand ist Rückschritt

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Sie dürfen andere Beitrage mit [quote] Tags Zitieren.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Das Sicherheitstool "Captcha" schützt uns vor Spammern. Bitte einfach die 2 Wörter eintragen, oder auf das Lautsprechersymbol klicken und die zu hörenden Zahlen eingeben. User-Namen in Gast-Kommentaren werden grundsätzlich gelöscht.