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Wollt Ihr wissen, wie die IDS funktioniert?

Bild des Mitglieds muffel-bote

Heute, am Vortag des dentalen Jahrmarkts, gibt es viele Fragen. Zu diesen lest Ihr:

-       was Ihr daraus entnehmen könnt, wenn Ihr auf der IDS einen Stand ohne Licht seht,

-       wem es im Dentalbereich gut geht,

-       welche Trends sich schon heute abzeichnen.

 

Wie wird die IDS zum Laufen gebracht?

 

Am heutigen Montag wurde noch überall, wirklich überall aufgebaut, gehämmert, gebohrt, montiert, gestrichen, aufgeräumt, geputzt, gewerkelt bis zum Geht nicht mehr ... Ich habe keinen Stand gesehen, der schon fertig und für den Besucherandrang gewappnet war. Leitern jeder Größe, Plastikberge jeder Größe überall, Paletten, Kartons, Rückstände ohne Ende. Obst, Blumenschmuck, ja sogar Rollrasen wurde angeliefert. Das einzige, was heute nirgendwo fehlte, war der Firmenname oben auf den Blenden. Wo aber blieben sie, die vielen, vielen Geräte und Materialien, die ab morgen begutachtet werden wollen? Vielleicht im Lkw Stau? Neu Ankommende berichteten, dass sie für die sogenannte „letzte Meile“ zur Kölnmesse eine Stunde gebraucht hatten. 

 

Alles, was morgen Glockenschlag 9 Uhr funktionstüchtig sein soll und wird, muss heute Abend und womöglich über Nacht  fertig gestellt werden. Und dann das wichtigste: die Standabnahme. Diese fand bei vielen heute statt – und vollzieht vielleicht gerade noch in diesem Augenblick. Der Stand wird nur abgenommen, wenn alles sicher ist (vor allem Statik, Elektronik, Brandschutz) – und, jetzt kommt’s! – wenn er bis auf den letzten Cent bezahlt ist (Abb. 1). Erst dann wird nämlich auf dem Stand der Stromfluss freigegeben und das Licht kann eingeschaltet werden. Wer heute noch schnell eine Thermoskanne oder ein paar Barhocker oder einen Prospektständer brauchte, musste auch dies heute bezahlen. Im Service-Bereich der Messe Nähe Ausgang Ost wurden getätigte Überweisungen mit Rechnungen verglichen, unter Umständen musste für den Restbetrag Bares her. Sehr vernünftig und geradezu genial aus Messesicht, den Strom erst fließen zu lassen, wenn alles beglichen ist! Das ist viel einfacher, als später dem Geld nachzujagen ... und es vielleicht in dem einen oder anderen Einzelfall gar nicht zu bekommen. Zudem haben manche aus dem Ausland kaum eine andere Möglichkeit, als bar zu zahlen. Bis zum heuten Schlusszahltag haben jetzt rund 2.200 Unternehmen aus 56 Ländern dem Kaiser, pardon: der Messe, gegeben, was der Messe ist – 2.200: Das ist ein sattes Aussteller-Plus von 7 Prozent gegenüber 2013.

 

Wie wird die IDS gesehen?

 

Die Messe weiß also heute schon ganz gut, welche Einnahmen ihr die IDS beschert – nur die „Kleinigkeit“ der Besuchertickets ist noch offen. Letztes Mal war die Marke von 125.000 Fachbesuchern geknackt worden, nach Jahren anhaltender Zuwächse. An diese ehrgeizige Größenordnung denkt man auch aktuell – oder ist vielleicht auch diesmal noch mehr drin? Für Köln ist die IDS ein Gigant. Laut Katarina Hamma, Geschäftsführerin der Kölnmesse, überbietet sie sich in allen Kernzahlen ständig. Außerdem wird in Köln die größte Angebotsbreite im Dentalbereich weltweit gezeigt, eine wahre Leitmesse für die gesamte Branche.

 

Dr. Martin Rickert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) bestätigt der IDS sogar, Taktgeber zu sein. Denn die Industrie richtet ihre Neu- und Weiterentwicklungen vorwiegend am Zweijahreszyklus aus. Von Dr. Rickert wie von Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), wird die Situation der deutschen Dentaler als zufrieden bis gut eingestuft. Beide – und auch ZTM Uwe Breuer, Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) – waren sich darin einig, dass Praxen und Labore in der Lage sein müssen, genug zu erwirtschaften, um die Innovationen bezahlen zu können und am Fortschritt teilzuhaben. Sowohl Engel als auch Breuer unterstützen akzentuiert den digitalen Trend im Dentalbereich. Engel: „Wenn man die Entwicklung verschläft, bekommt man Probleme.“ und: „Die Bundeszahnärztekammer begrüßt ausdrücklich technologischen Fortschritt zur Optimierung von Diagnose und Therapie. Sie rät allerdings Zahnärzten, vor jeder Investition in neue Geräte zu prüfen, ob Studien die Wirksamkeit der jeweiligen Technologie belegen.“ Zudem verzeichnet Dr. Engel, dass sich Qualität zum Megatrend entwickelt habe: Trotz des Hangs einiger Menschen zu einer angeblichen Billig-Mentalität und Tendenzen zur ‚Discountmedizin’ wissen die Patienten Qualität im Gesundheitswesen sehr wohl zu schätzen.“

 

Also wenn ich als Euer Muffel-Bote dies nicht nur getreulich berichte, sondern zwischen den Zeilen lese, dann werte ich das als Bekenntnis zum deutschen Zahntechnikerhandwerk – stimmt Ihr, liebe Gemeinde des Muffel-Forums, mir zu? Wenn er „Menschen“ sagt: sind das ja auch Zahnärzte, nicht nur Patienten ...

 

Welche Trends zeichnen sich schon heute ab?

 

Um die Überschrift weiterzufolgen, frage ich: Wie funktioniert die IDS noch? Nicht nur, dass sie im konkreten Augenblick nur mit Cash zustande kommt, sondern auch, dass sie durch Polemik, Konfrontation, Widerspruch, Sensation und Zwischentöne belebt wird. Während der Pressekonferenz der Kölnmesse, auf der die Genannten sprachen, zeigte sich, dass Uwe Breuer nicht in der Reihenfolge, wie sie an den Rednerpulten von links nach rechts standen, zum Sprechen aufgefordert wurden – nein, Uwe Breuer war als letzter an der Reihe. Ein Zeichen für die geringere Bedeutung der Labore im Gesundheits-und Wirtschaftsmarkt? Lässt sich hier ein Trend ablesen? Man kann es so sehen.

 

Trend 1 – Labor contra Praxis

 

Denn hieß es vorher: Alle können zufrieden sein, so erhob Breuer Einspruch: „Unbestreitbar ist,  dass die betriebswirtschaftliche Situation der gewerblichen zahntechnischen Labore in Deutschland weiterhin nicht zufriedenstellend ist.“ Das Mindestlohngesetz treffe die Labore auf der Kostenseite ohne Kompensation beim Einkommen nach BEL. Gerade im ländlichen Raum werde nur über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet, ohne die Möglichkeit zu Privatleistungen, die die Einbußen der Mindestlohnzahlungen auffangen könnten. Hinzu komme, so zitierte Breuer Angaben des Statistischen Bundesamtes, dass von den rund 6,7 Milliarden Euro, die für zahntechnische Leistungen einschließlich der Materialien ausgegeben werden, rund 4,4 Milliarden Euro den gewerblichen Laboren zugerechnet werden, etwa 2,3 Milliarden Euro verbleiben in den Praxislaboren. Engel meinte dazu zwar, die Zahl der Praxislabore sei plus/minus gleich geblieben und der Anteil halte sich auf gleichem Niveau. Aber gleichzeitig ist von der Industrie – wie etwa von Ivoclar Vivadent, zu erfahren, dass weltweit der Umsatz durch Geschäftsaktivitäten im zahnärztlichen Bereich gesteigert wurde, im Laborbereich ist er gleich geblieben.

 

Zeichnet sich damit ab, dass das Labor nachrangig behandelt wird? Dazu habe ich die IDS heute genauer unter die Lupe genommen (weitere Abbildungen).

 

Trend 2 – digitale Neuheiten für die Praxis

 

Wenn bereits der heutige Tag darauf eine Antwort gibt und einen diesbezüglichen IDS-Trend andeutet, dann anhand des Neuheiten-Rundgangs über die Messe. Einige Firmen wollten schon heute den Schleier lüften und Produkte ins Lampenlicht rücken, Sirona zum Beispiel oder KaVo. Und was sah ich? Beide stellten Neuheiten für die Praxis vor – für die digital orientierte Praxis wohlgemerkt (man denke an Engel – siehe oben). Sirona hat eine neue Software mit dem wohlklingenden Namen „Biokiefer“ entwickelt. In der Zahnarztpraxis kann mit dem Cerec-System auf einfache Weise die Kaufläche einer Krone patientenindividuell berechnet werden: „Die Computer-Algorithmen berücksichtigen dabei auch kleinste patientenindividuelle anatomische Besonderheiten.“ Die Ergebnisse können direkt an die Schleifmaschine gehen, ohne den Laborschritt.

 

Und bei KaVo? Das Unternehmen stellt „eine neue bahnbrechende CAD/CAM-Lösung für Zahnersatz vor, von der nicht nur die Zahnarztpraxis, sondern insbesondere auch Patienten profitieren.“ Dazu gibt es den neuen Intraoralscanner KaVo Lythos, mit der Folge: „Ein hochwertiger und präziser Zahnersatz kann mit dem modernen CAD/CAM-System KaVo Arctica direkt in der zahnärztlichen Praxis gefertigt und dem Patienten anschließend eingesetzt werden.“

 

Trend 3 – digitale Neuheiten für das Labor

 

Zwar setzt so mancher Hersteller auf das Pferd „Zahnarztpraxis“, aber Neuheiten für das Labor gab es heute auch schon zu sehen – und nicht unter „ferner liefen“: von der Vita Zahnfabrik beispielsweise CAD/CAM-Blöcke mit integrierter Schnittstelle zur Titan-Klebebasis, für  den Hybridkeramik-Block Enamic, die Glaskeramik Suprinity und das Komposit CAD-Temp. Diese finden sich im neu geschaffenen Material-Sektor „Implant Solutions“.

 

Digital designte und anschließend gefräste Totalprothesen in einem einzigen Labor-Arbeitsschritt stellte Merz Dental vor – und Dentona fragte zweideutig: „Wann gibt es Druck in der Zahntechnik?“ Damit ist ein 3D-Drucker gemeint, der mit 25 Mikrometer Genauigkeit Bohrschablonen, Protrusionsschienen und anderes mehr herstellt, aus Kunstharz, das für die Anwendung im Patientenmund zugelassen ist. Der Drucker versteht sich als der zentrale Bestandteil des neuen Technologiepakets pro3dure zusammen mit Materialien und Softwarelösungen. Dentona prophezeite: Der 3D-Druck werde die Zahntechnik, so wie sie heute schon ist, noch einmal revolutionieren, denn eine große Auswahl an generativen Fertigungslösungen für eine Vielzahl an Applikationen warte nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Wohin bringt uns die IDS?

 

Mit allem Gesehenen lautet das Fazit des heutigen Tages:

Für das Labor wird es Licht und Schatten geben. Auf der Plusseite stehen die engere Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt, der (wieder mehr) auf die Qualität vor Ort setzt, sowie die Möglichkeit, durch weitere digitale Schritte einerseits noch mehr Effizienz einzufahren und andererseits die modernen Zahnärzte für sich zu gewinnen. Das Minus: Der Zahnarztbetrieb kann auch Konkurrenz bedeuten und das eigenständige Labor läuft Gefahr, im Wirtschaftsgefüge zur vernachlässigbaren Größe zu werden. Den Kopf in den Sand stecken? Nein, alle sehen in der verstärkten Digitalisierung der Labore den Weg ins rechte Licht.

 

Es grüßt Euch herzlich von der IDS 

der Muffel-Bote

 

 

 

 

 

Abb. 1: Warten an der Zentralkasse. Erst wenn der Standmieter hier grünes Licht bekommt, geht bei ihm das Licht an.
Abb. 2: Am Dienstag ist endlich alles fertig....
Abb. 3: es geht auch analog, echter Rasen der gepflegt werden will
Abb. 4: Merz: die digitale Totalprothese