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neue Meisterprüfungsverordnung

Stand: 17.05.06

Im Konsens mit IGM,DHKT,VDZI entwickelt und verabschiedet, Frankfurt, den 17.05.2006



MEISTERPRÜFUNGS-VERORDNUNG

Verordnung
über das Meisterprüfungsberufsbild
und über die Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II
der Meisterprüfung im Zahntechniker-Handwerk
(Zahntechnikermeisterverordnung-MstrV)1


Vom...

Auf Grund des § 45 der Handwerksordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. September 1998 (BGBl. I S. 3074), der durch Artikel 1 Nr. 39 des Gesetzes vom 24. Dezember 2003 (BGBl. I S. 2934) geändert worden ist, verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:


§ 1
Gliederung und Inhalt der Meisterprüfung

Die Meisterprüfung im zulassungspflichtigen Zahntechniker-Handwerk umfasst folgende selbständige Prüfungsteile:
1. die Prüfung der meisterhaften Verrichtung der wesentlichen Tätigkeiten (Teil I),
2. die Prüfung der erforderlichen fachtheoretischen Kenntnisse (Teil II),
3. die Prüfung der erforderlichen betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und rechtlichen Kenntnisse (Teil III) und
4. die Prüfung der erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teil IV).



§ 2
Meisterprüfungsberufsbild

(1) Durch die Meisterprüfung im Zahntechniker-Handwerk wird festgestellt, dass der Prüfling befähigt ist, einen Betrieb selbständig zu führen, technische, kaufmännische und personalwirtschaftliche Leitungsaufgaben wahrzunehmen, die Ausbildung durchzuführen und seine berufliche Handlungskompetenz eigenverantwortlich umzusetzen und an neue Bedarfslagen in diesen Bereichen anzupassen.

(2) Im Zahntechniker-Handwerk sind zum Zwecke der Meisterprüfung folgende Fertigkeiten und Kenntnisse als ganzheitliche Qualifikationen zu berücksichtigen:

1. Kundenwünsche ermitteln, Kunden beraten, Serviceleistungen anbieten, Auftragsverhandlungen führen und Auftragsziele festlegen, Leistungen kalkulieren und Angebote erstellen, Verträge schließen,
2. Aufgaben der technischen, kaufmännischen und personalwirtschaftlichen Betriebsführung, wahrnehmen, insbesondere unter Berücksichtigung von Betriebsorganisation, der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, des Qualitätsmanagements, der Haftungsvorschriften, des Arbeitsschutzrechtes, des Datenschutzes, des Umweltschutzes, sowie von Informations- und Kommunikationstechniken.
3. Auftragsabwicklungsprozesse planen, organisieren, durchführen und überwachen,
4. Aufträge durchführen, insbesondere unter Berücksichtigung von Fertigungstechniken, Instandhaltungsalternativen, berufsbezogenen Gesetzen, insbesondere Medizinproduktegesetz, Normen, Regeln und Vorschriften, Personal, Material und Geräten sowie Einsatzmöglichkeiten von Auszubildenden.
5. Zahntechnische Arbeits- und Prozessabläufe unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften planen und auch unter Einsatz rechnergestützter Systeme erstellen.
6. Daten der Kieferrelationsbestimmung in mechanische Geräte übertragen, auch EDV-gestützt.
7. Arten und Eigenschaften zu verarbeitender Werkstoffe, einschließlich des Ur- und Umformverfahrens sowie Verfahren zur Oberflächenbehandlung und Stoffeigenschaftsänderung bei der Planung und Fertigung von Zahnersatz, kieferorthopädischen und therapeutischen Geräten berücksichtigen.
8. Manuelle, maschinelle, galvanische und programm- sowie rechnergestützte Be- und Verarbeitungsverfahren anwenden.
9. Urformen Umformen, Verbund- und Fügtechniken bei der Herstellung von Zahnersatz beherrschen.
10. Individuelle Verbindungselemente für prothetische Arbeiten herstellen und einarbeiten; Konstruktionselemente gemäß ihres Verwendungszweckes einarbeiten.
11. Zahnersatz, Zahnrestaurationen, Defektprothesen und Epithesen funktionsgerecht planen, herstellen, instandsetzen, ändern, ergänzen, bewerten und dokumentieren.
12.Therapeutische Geräte insbesondere KFO und FKO Geräte, Schienen und Mundschutz planen, herstellen, instandsetzen, ändern, ergänzen, bewerten und dokumentieren.
13. EDV- und lasergestützte Verfahren einsetzen.
14. Qualitätskontrollen durchführen, Fehler-, Mängel- und Störungen beseitigen, Ergebnisse bewerten und dokumentieren.
15. Zahntechnische Leistungen abnehmen und dokumentieren sowie Nachkalkulation durchführen, Auftragsabwicklung auswerten.


§ 3
Gliederung des Teils I


Der Teil I der Meisterprüfung umfasst als Prüfungsbereich ein Meisterprüfungsprojekt und ein darauf bezogenes Fachgespräch.


§ 4
Meisterprüfungsprojekt

(1) Der Prüfling hat ein Meisterprüfungsprojekt durchzuführen, das einem Kundenauftrag entspricht. Vorschläge des Prüflings für den Kundenauftrag sollten berücksichtigt werden. Die auftragsbezogenen Kundenanforderungen werden vom Meisterprüfungsausschuss festgelegt. Auf dieser Grundlage erarbeitet der Prüfling ein Umsetzungskonzept, einschließlich einer Zeit- und Materialbedarfsplanung. Dieses hat er vor der Durchführung des Meisterprüfungsprojekts dem Meisterprüfungsausschuss zur Genehmigung vorzulegen. Der Meisterprüfungsausschuss prüft, ob das Umsetzungskonzept den auftragsbezogenen Kundenanforderungen entspricht.

(2) Das Meisterprüfungsprojekt besteht aus Planungs-, Durchführungs- und Dokumentationsarbeiten.

(3) Als Meisterprüfungsprojekt sind die nachfolgenden Aufgaben durchzuführen:

1. Einen Ober- oder Unterkiefer mit festsitzendem siebengliedrigen Zahnersatz nach vorgegebenem Okklusionskonzept mit mindestens drei Front- und drei Seitenzähnen versorgen, zuzüglich ein Einzelzahnimplantat mit vollkeramischer Restauration herstellen sowie einen tiefgezogenen okklusal adjustierten Aufbissbehelf herstellen
2. Einen kombiniert festsitzend, herausnehmbaren Zahnersatz in Ober- oder Unterkiefer in Verbindung mit insgesamt vier individuellen und konfektionierten Halte- und Stützelementen herstellen.
3. Prothetische Versorgung eines unbezahnten Unter- und Oberkiefers nach System herstellen.
4. Ein Kieferorthopädisches oder Funktionskieferorthopädisches Gerät gemäß den Anforderungen vermessen und herstellen.

(4) Die Entwurfs-, Planungs- und Kalkulationsunterlagen werden mit 25 vom Hundert, die durchgeführten Arbeiten mit 60 vom Hundert und die Dokumentationsunterlagen mit 15 vom Hundert gewichtet.


§ 5
Fachgespräch

Nach Durchführung des Meisterprüfungsprojekts ist hierüber das Fachgespräch zu führen. Dabei soll der Prüfling nachweisen, dass er die fachlichen Zusammenhänge aufzeigen kann, die dem Meisterprüfungsprojekt zugrunde liegen, den Ablauf des Meisterprüfungsprojekts begründen und mit dem Meisterprüfungsprojekt verbundene berufsbezogene Probleme sowie deren Lösungen darstellen kann und dabei in der Lage ist, neue Entwicklungen zu berücksichtigen.







§ 6
Prüfungsdauer und Bestehen
des Teils I

(1) Die Durchführung des Meisterprüfungsprojekts soll nicht länger als 9 Arbeitstage, das Fachgespräch nicht länger als 30 Minuten dauern.

(2) Das Meisterprüfungsprojekt und das Fachgespräch werden gesondert bewertet. Die Prüfungsleistungen im Meisterprüfungsprojekt und im Fachgespräch werden im Verhältnis 3:1 gewichtet. Hieraus wird eine Gesamtbewertung gebildet.

(3) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils I der Meisterprüfung ist eine insgesamt ausreichende Prüfungsleistung, wobei die Prüfung weder im Meisterprüfungsprojekt noch im Fachgespräch mit weniger als 30 Punkten bewertet worden sein darf.


§ 7
Gliederung, Prüfungsdauer und Bestehen des Teils II

(1) Durch die Prüfung in Teil II soll der Prüfling in den in Absatz 2 genannten Handlungsfeldern seine Handlungskompetenz dadurch nachweisen, dass er berufsbezogene Probleme analysieren und bewerten sowie geeignete Lösungswege aufzeigen und dokumentieren und dabei aktuelle Entwicklungen berücksichtigen kann.

(2) Handlungsfelder sind:
1. Konzeption, Gestaltung und Fertigungstechnologien zahntechnischer Versorgungen
2. Auftragsabwicklung
3. Betriebsführung und Betriebsorganisation

(3) In jedem der Handlungsfelder ist mindestens eine Aufgabe zu bearbeiten, die fallorientiert sein muss.

1. Konzeption, Gestaltung und Fertigungstechnologien zahntechnischer Versorgungen

Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, konstruktive, fertigungstechnische und gestalterische Aufgaben der Zahntechnischen Restaurationen und therapeutischen Geräte unter Berücksichtigung biologischer, wirtschaftlicher und ökologischer Aspekte in einem zahntechnischen Labor zu bearbeiten. Dabei soll er berufsbezogene Sachverhalte analysieren und bewerten. Bei der jeweiligen Aufgabenstellung sollen mehrere der unter 1 a) bis h) aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

a) Funktionale, phonetische, ästhetische, konzeptionelle Lösungen im Bereich zahntechnischer Restaurationen und Versorgung darstellen und bewerten

b) Konstruktive und gestalterische Möglichkeiten im Bereich zahntechnischer Restautationen und zahnprothetischer Versorgungen unter Berücksichtigung biologischer, hygienischer und parodontalprophylaktischer Forderungen darstellen und bewerten

c) Biologische Gesichtspunkte und Zusammenhänge bei der Planung, Fertigung und Kontrolle zahntechnischer Werkstücke darstellen und bewerten

d) Konzeptionelle, konstruktive Möglichkeiten insbesondere von kieferorthopädischen und therapeutischen Geräten darstellen und bewerten

e) Informationen für die Fertigungsprozesse beurteilen, Werk- und Hilfsmittel, Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Software entsprechend den Fertigungsverfahren auswählen, zuordnen und begründen

f) Urformen und Umformen dentaler Werkstoffe, deren Eigenschaftsänderungen sowie der stoff- und kraftschlüssigen Verbindungen beschreiben, bewerten und dem jeweiligen Verwendungszweck zuordnen

g) Die Dimensionierung und Wahl der dentalen Werkstoffe für die herzustellenden Konstruktionen unter Berücksichtigung der mechanischen und chemischen Belastungen, insbesondere des Korrosionsverhaltens beschreiben und bewerten

h) Die Bedeutung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bei der Herstellung und dem Versand zahntechnischer Werkstücke aufzeigen und bewerten


3. Auftragsabwicklung
Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, Auftragsabwicklungsprozesse, auch unter Anwendung branchenüblicher Software, erfolgs-, kunden- und qualitätsorientiert zu planen, deren Durchführung zu kontrollieren und sie abzuschließen. Bei der jeweiligen Aufgabenstellung sollen mehrere der unter Buchstabe a) bis k) aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:
a) Möglichkeiten der Auftragsbeschaffung darstellen,
b) Angebotsunterlagen erstellen und auswerten, Angebotskalkulation durchführen,
c) Methoden und Verfahren der Arbeitsplanung und -organisation unter Berücksichtigung der Fertigungs- und Verarbeitungstechnik, gestalterischer Aspekte, des Einsatzes von Material, Geräten und Personal bewerten, dabei qualitätssichernde Aspekte darstellen sowie Schnittstellen zwischen Arbeitsbereichen berücksichtigen,
d) Berufsbezogene rechtliche Vorschriften und technische Normen sowie anerkannte Regeln der Technik anwenden, insbesondere Haftung bei der Herstellung, der Instandhaltung und bei Dienstleistungen beurteilen,
e) Arbeitspläne, Skizzen und Zeichnungen erarbeiten sowie vorgegebene Arbeitspläne, Skizzen und Zeichnungen bewerten und korrigieren; dabei auch Informations- und Kommunikationssysteme anwenden,
f) auftragsbezogenen Einsatz von Werkstoffen, Maschinen und Geräten und Instrumente bestimmen und begründen,
h) Fachterminologie anwendungsbezogen beherrschen,
i) berufsbezogene Abrechnungssysteme anwenden und beherrschen,
j) Daten entsprechend gesetzlicher Vorgaben erfassen, und dokumentieren.
k) Vor- und Nachkalkulationen durchführen,


4. Betriebsführung und Betriebsorganisation
Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, Aufgaben der Betriebsführung und Betriebsorganisation unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorschriften, auch unter Anwendung von Informations- und Kommunikationssystemen, wahrzunehmen. Bei der jeweiligen Aufgabenstellung sollen mehrere der unter Buchstabe a) bis h) aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

a) Betriebliche Kosten ermitteln, dabei betriebswirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtigen,
b) betriebliche Kostenstrukturen überprüfen; betriebliche Kennzahlen ermitteln,
c) Marketingmaßnahmen zur Kundenpflege und zur Gewinnung neuer Kunden vor dem Hintergrund technischer und wirtschaftlicher Entwicklungen erarbeiten,
d) betriebliches Qualitätsmanagement planen und darstellen,
e) Aufgaben der Personalverwaltung wahrnehmen; den Zusammenhang zwischen Personalverwaltung sowie Personalführung und –entwicklung darstellen,
f) betriebsspezifische Maßnahmen zur Einhaltung der arbeitsrechtlichen Schutzbestimmungen und des Umweltschutzes entwickeln; Gefahrenpotenziale beurteilen und Maßnahmen zur Gefahrenvermeidung und -beseitigung festlegen,
g) Betriebs- und Lagerausstattung sowie logistische Prozesse planen und darstellen.
h) Chancen und Risiken betrieblicher Kooperation darstellen und beurteilen.


(4) Die Prüfung im Teil II ist schriftlich durchzuführen. Sie soll in jedem Handlungsfeld nicht länger als drei Stunden dauern. Eine Prüfungsdauer von sechs Stunden täglich darf nicht überschritten werden.

(5) Die Gesamtbewertung des Teils II wird aus dem arithmetischen Mittel der Einzelbewertungen der Handlungsfelder nach Absatz 2 gebildet.

(6) Die schriftliche Prüfung ist in einem der in Absatz 2 genannten Handlungsfelder auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen (Ergänzungsprüfung), wenn dies das Bestehen des Teils II der Meisterprüfung ermöglicht. Die Ergänzungsprüfung soll je Prüfling nicht länger als 20 Minuten dauern. In diesem Handlungsfeld sind die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung und der Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

(7) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils II der Meisterprüfung ist eine insgesamt ausreichende Prüfungsleistung. Ist die Prüfung in einem Handlungsfeld auch nach durchgeführter Ergänzungsprüfung mit weniger als 30 Punkten bewertet worden, so ist die Prüfung des Teils II nicht bestanden.


§ 8
Weitere Anforderungen

Die Prüfungsanforderungen in den Teilen III und IV sowie die Regelungen über das Bestehen der Meisterprüfung bestimmen sich nach der Verordnung über gemeinsame Anforderungen in der Meisterprüfung im Handwerk vom 18. Juli 2000 (BGBl. I S. 1078) in der jeweils geltenden Fassung.


§ 9
Übergangsvorschrift

(1) Die bis zum 30. September 2006 begonnenen Prüfungsverfahren werden auf Antrag des Prüflings nach den bisherigen Vorschriften zu Ende geführt. Bei der Anmeldung zur Prüfung bis zum Ablauf des 31. März 2007 sind auf Antrag des Prüflings die bisherigen Vorschriften anzuwenden.

(2) Prüflinge, die die Prüfung nach den bis zum 30. September 2006 geltenden Vorschriften nicht bestanden haben und sich bis zum 30. September 2008 zu einer Wiederholungsprüfung anmelden, können auf Antrag die Wiederholungsprüfung nach den bis zum 30. September 2006 geltenden Vorschriften ablegen.


§ 10
Inkrafttreten, Außerkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 01.Oktober 2006 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung über das Berufsbild und über die Prüfungsanforderungen im praktischen Teil und im fachtheoretischen Teil der Meisterprüfung für das Zahntechniker-Handwerk vom 27. Februar 1980 (BGBl. I S. 261) außer Kraft.

Berlin, den......2006

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie
in Vertretung