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Der Tag der Worte, Mahnungen und Prophezeiungen

Der Rausch der IDS hat begonnen – und mit ihm das Berauschen und Wegweisen durch Worte. Gerade Zahntechniker hören dieser Tage gut hin, um Antworten auf die Frage nach der Zukunft ihres Berufs zu erhalten. Auf der IDS sprach heute Gesundheitsminister Hermann Gröhe ebenso wie der eine oder andere Vordenker. Alle Zeichen sprechen dafür, dass Ihr, liebe Zahntechniker, Euch in zehn oder maximal zwanzig Jahren nicht wiedererkennt. Wird die dentale Welt bunt, schwarz?

 

Bunt und vielfältig kann die dentale Welt sein, wenn es nach der Industrie geht. Auf der heutigen kleinen Eröffnungszeremonie der IDS richtete Dr. Martin Rickert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI), das Wort an Minister Gröhe. Die 200 Mitglieder des Verbandes – Firmen mit Produktion in Deutschland – erwirtschafteten 2016 einen beachtlichen Gesamtumsatz: erstmals mehr als 5 Milliarden Euro. Doch hat man Wünsche an die Politik, im Klartext als Mahnung zu verstehen: Die Rahmenbedingungen einschließlich Regulierungen der Europäischen Union und vor allem die neue Medizinprodukteverordnung stoßen bei der Industrie und ihren Partnern nicht auf Gegenliebe. Mehr Aufwand und Kostensteigerungen könnten, so Rickert, zur Folge haben, dass sich das Vorantreiben von Entwicklungen nicht mehr im bisherigen Maße lohne. Dem verschloss sich Gröhe nicht, betonte aber gleichzeitig den Sicherheitsgedanken für Produkte. Insgesamt wertete der Minister die „quicklebendige“ Gesundheitsbranche als wichtigen Wachstumsmotor und sah zudem „unsere Stärke“ im Handwerk und der guten Ausbildung.

 

Die so geäußerte Wertschätzung kann das Zahntechnikerhandwerk nur freuen – vor allem angesichts der Lage, die ZTM Uwe Breuer, Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) am Vortag auf der IDS-Wirtschaftspressekonferenz in Zahlen beschrieben hatte. Für gewerbliche Labore wurde bei den Gesamtumsätzen 2016 ein nomineller Zuwachs von durchschnittlich nur 1 bis 2 Prozent errechnet. Breuer nannte dies eine „unzufriedenstellende Entwicklung“, es sei zu „deutlichen Reallohnverlusten der qualifizierten Fachkräfte“ gekommen. Eine VDZI-Einkommensanalyse förderte zutage, „dass erhebliche Teile der angestellten Zahntechniker unter oder am Rande des Mindestlohns arbeiten“. Parallel sagt die Dental-Industrie, dass ihr Laborgeschäftsfeld in Deutschland stagniert.

 

Die 4. Industrielle Revolution: Mitmachen oder verlieren

 

Wie kann es nun für Labore weiter gehen? Dazu gab der heutige Henry Schein-Zukunftskongress im Offenbach-Saal der Messe eine Prognose ab, ohne Fragezeichen dahinter zu setzen. Die 4. Industrielle Revolution mit um sich greifender Digitalisierung und Vernetzung ist in vollem Gange und beschleunigt sich, nicht nur vorangetrieben von der Industrie, sondern erklärtermaßen auch unterstützt von der Politik der westlichen Hemisphäre. Im Dentalbereich liegt die Zukunft in immer natürlicher wirkendem Zahnersatz, produziert in der digitalen Arbeitskette. Intraoralscannermuffel-forum.de Lexikon werden eines Tages die Praxen durchdrungen haben, Zahnersatz wird im 3D-Druck produziert. Der Henry Schein-Geschäftsführer Stanley Bergman sagte voraus: In zwanzig Jahren werde ein Kontingent von 70 bis 80 Prozent der heutigen Berufe weggefallen bzw. ersetzt oder vollkommen verändert sein. Dieser Umbruch betrifft auch die Zahntechnik. Professor Dr. Florian Beuer, Berliner Charité, ergänzte, damit man sich die beschleunigte Entwicklung besser vorstellen kann: Das dentale Wissen verdoppelt und erneuert sich alle fünf Jahre. Interaktive Computer werden Zahnarzt und Zahntechniker bei Entscheidungen und Ausführungen unterstützen. Der 3D-Druck erreicht dann den großen Durchbruch, wenn zahnfarbene definitive Materialien additiv verarbeitbar werden. An druckbarer Keramik wird schon gearbeitet.

 

Ist in der so skizzierten Welt noch Platz für Zahntechniker?, so die dem Podium gestellte Frage. Bergman: „Auf jeden Fall!“ Aber nicht der Handwerker im Zahntechniker überlebe, sondern der Berater des Zahnarztes. Das Fertigen von Zahnersatz werde sich weitgehend in die Automatisation verlagern. Der Trumpf in der Hand der Zahntechniker bleibt die Materialkompetenz. Um sich mit der 4. Revolution mitzuentwickeln, um zu überleben und sogar gut zu überleben, helfe nur das Mitgestalten des digitalen Trends. Wer zu lange warte und in seiner „Hand“werkstatt verharre, sei schnell abgehängt. Das Fachhandelsunternehmen Henry Schein sieht sich seinerseits als Berater von Zahnarzt und Zahntechniker, um ihnen durch die kommenden Zeiten und den Umbruch hindurchzuhelfen. Den Heizer auf der elektrifizierten Lok wird es im Dentallabor nicht geben; Gewinner sind die, die ihre eigene Lok steuern. Schwarz sehen nur die Heizer aus ...

 

A propos 3D-Druck, liebe Leser: Bei Bego gibt es auch eine Messeaktion, habe ich heute gesehen. Das Varseo-Gerät der 2. Generation, auf der IDS vorgestellt, ist zum Preis für 7.990 Euro zu haben.

 

 

Es grüßt Euch herzlich von der IDS

Euer Muffelmuffel-forum.de Lexikon-Bote