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Von drohenden Haftstrafen und Streicheleinheiten

Wenn das keine Extreme sind, mit der die IDS diese Woche aufwartet! Der Staatsanwalt macht Korruption aus, die man gar nicht für solche gehalten hat – schon steht man vielleicht mit einem Bein im Gefängnis. Das kann auch den Zahntechniker erwischen. Am anderen Ende der Skala: Belobigungen, Anerkennung und Preise für gute Arbeit. Heute wurden nämlich der Gysi-Preis und der Campus Challenge-Preis verliehen. Und wer bisher beim Prüfen von Kronenrändern unter dem Mikroskop seinen Rücken krumm gemacht hat, der empfindet es als Wohltat und geradezu als Streicheleinheiten, wenn er nun aufrecht sitzen kann.

 

Sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche gibt es in Zusammenhang mit der neuen europäischen Medizinprodukte-Verordnung (Medical Device Regulation – MDR). Hier kann vermehrter Aufwand auch auf Zahntechniker zukommen. Ein modernes Beispiel: Das Labor nutzt einen Scanner der Firma W, Software X, ein Fräsgerät Y, einen 3D-Drucker der Firma Z und hat alles im Alleingang konfiguriert. Dann steht der Betrieb selbst für die Validierung und den sicheren Prozess gerade. Wie man aus dieser Peitsche Zuckerbrot herausschlägt, hat sich Bego überlegt und einen Service namens „MDR ready“ kreiert, der auf der IDS vorgestellt wurde. Dieser greift dann, wenn sich der Kunde im kompletten Bego-Arbeitsablauf bewegt: vom Scanner bis zum neuen 3D-Drucker Varseo S. Hierfür ist der Workflow validiert, im Einklang mit der Verordnung erhält der Nutzer entsprechende Prozessdokumentationen. Ihm entsteht kein eigener Aufwand.

 

Auch der Zahntechniker kann bestraft werden

 

Aber an anderer Stelle auf der IDS habe ich gesehen, dass man seine Verantwortung nicht wegdrücken kann. Das war in der Speaker’s Corner, und ich hatte auch nicht erwartet, dass das Thema auf einem Messestand groß herausgestellt würde. Ich spreche vom Thema Korruption und den Paragraphen 299a und 299b im Strafgesetzbuch, die am 4. Juni 2016 in Kraft getretenen sind. Justiziar Prof. Dr. Thomas Ratajczak nahm in der Rede-Ecke sehr deutlich und sehr kenntnisreich Stellung. Der Zahntechniker kann sich als Bestecher strafbar machen, als Chef wie auch als Angestellter. Eine Flut von Prozessen ist in der Gesundheitsbranche bereits im Gange. Polizeipräsidien verschicken Briefe mit dem Betreff: „Ermittlungserfahren gegen ...“ Darin enthalten ist die „Bitte“, für die letzten fünf Jahr detailliert Rabatte zu listen und Lieferscheine beizufügen. Nur so viel ist für Rabatte klar: Geldrabatte sind keine Korruption, aber: Es kann sich auch um Steuerhinterziehung als Tatbestand nach dem Einkommensteuergesetzbuch handeln. Da das Bestechungs-Gesetz neu ist, stellen sich noch viele Fragen. Eine Bagatellgrenze, zum Beispiel 5 Euro, gibt es nicht – die Absicht entscheidet („Unrechtsvereinbarung“). Bei Geschenken gilt, dass sie sozialadäquat sein müssen. So sind kleine Weihnachtsgeschenke, die der „Klimapflege“ dienen, statthaft. Nur: Sind sie auch sozialadäquat, wenn der Zahnarzt Moslem ist? Muss man dann mit seinem Geschenk auf das Zuckerfest ausweichen? Jeder wartet’s ab – in der Hoffnung, nicht selbst für einen Musterprozess herangezogen zu werden.

 

Auszeichnungen für schöne und versierte Zahntechnik – Balsam für die Seele

 

Im krassen Gegensatz zu diesem Vortrag ging es ab heute Mittag in Vorträgen im Blauen Salon und dem Europa-Saal sehr festlich zu, glückliche und entspannte und auch stolze Gesichter überall. Zuerst der CCC: der „Celtra Campus Challenge“-Preis, der bis zur letzten IDS in Form der „Cercon Campus Challenge“ ausgeschrieben worden war. Ausrichter ist DeguDent geblieben, wenn auch jetzt als Mitglied der Dentsply Sirona-Gruppe. Angesprochen waren Hochschul-Teams: Oberärzte/Assistenzärzte mit ihren Zahntechnikern. In Zukunft wird der CCC-Preis sicher „Ceramics Campus Challenge“ heißen, damit auch andere Materialien zur Fall-Versorgung zum Zuge kommen können.

 

Und dann der Gysi-Preis. Dieser wird ebenfalls immer auf der IDS verliehen. In dem vom VDZI veranstalteten Nachwuchswettbewerb legen sich Auszubildende des 2., 3. und 4. Lehrjahres ins Zeug. Die Lehrherren sind gleichfalls sehr gefordert, sie motivieren, unterstützen und fördern ihren Nachwuchs nachdrücklich. Viele Stunden Arbeit werden investiert, bis die jeweils jahrgangsgerechte Prothetik fertig ist. Diesmal hat eine Teilnehmerin gesiegt, die schon im ersten Ausbildungsjahr auf dem Treppchen stand: Gold für das 4. Lehrjahr ging an Cathrin Nauhauser aus dem Labor Dentale Technik Ronald Lange in Bous (Zahntechniker-Innung für das Saarland). Herzlichen Glückwunsch an sie und alle anderen Teilnehmer.innen! Das Publikum im Saal, Mitschüler und Fans, klatschte, trampelte oder pfiff jedes Mal, wenn ein Preisträger auf die Bühne gerufen wurde. Bombenfeierstimmung! Und sehr berechtigt noch dazu!

 

„Balsam“ für den Rücken

 

Zum Schluss will ich noch von etwas anderem Positivem berichten. Anfangs stand dies nicht im Rampenlicht, aber jetzt hat es sich auf der IDS herumgesprochen und findet üppigen Zulauf. Wenn Ihr auf einem Stuhl sitzt und vor Euch auf dem Arbeitstisch ein Werkstück haltet, das unter dem Mikroskop untersucht und/oder exakt beschliffen werden soll: Wie sitzt Ihr dann ...? „Oje!“ werdet Ihr sagen! Und mental oder real die Schultern lockern. Jetzt hatte Renfert die Idee, digitale Technik einzusetzen, um den Rücken- und Nackenbereich zu schonen. Ausprobieren geht so: polarisierte Brille aufsetzen, Kameraarm über den Labortisch schwenken, Licht auf das Objekt richten, geradeaus auf den Bildschirm vor sich schauen! Dorthin werden die Bilder übertragen. Zwei Vergrößerungsstufen sind möglich. Wer keine polarisierte Brille trägt, sieht ein doppeltes Bild auf dem Monitor, aber der Brillenträger kann sein Objekt in 3D betrachten, na, wie in der 3D-Kinovorstellung eben. Man kann auch zweidimensional schauen und arbeiten, dann ohne Brille und mit nur einer angeschalteten Kamera natürlich. Das System heißt Easyview 3D und dient auch zur Demonstration und Kommunikation. Nach Prospekten könnt Ihr noch nicht fragen. Das System, das Mikroskope entbehrlich macht, steht am Renfert-Stand zum Testen zur Verfügung, als Prototyp. Rückmeldungen von Messebesuchern fließen in die End-Entwicklung ein, das Easyview-System soll dann Ende 2017 erhältlich sein. Na? Strafft sich Euer Rücken jetzt schon in froher Erwartung?

 

Worauf Ihr auch noch wartet, ist das Zirkoniumdioxid mit inhärenter Fluoreszenz. Das verspreche ich Euch jetzt für Morgen, Freitag.

 

 

Es grüßt Euch herzlich von der IDS

Euer Muffelmuffel-forum.de Lexikon-Bote