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Bombastischer Keramik-Durchbruch

Bombastischer Keramik-Durchbruch

Jetzt ist sie da, die druckbare Dentalkeramik für den definitiven Einsatz – und Ihr seid Zeitzeugen

 

 

Heute war auf der IDS ein spannender Keramik-Tag – aber ich fange ganz langsam an und lasse den Knaller bis zum Schluss. Suspense à la Hitchcock für Euch! Atem anhalten und Nägel abbeißen erlaubt!

 

Von der Innovation des neuen Multi-Zirkoniumdioxid-Rohling mit kontinuierlichem Farb- und Transluzenz-Verlauf von Ivoclar Vivadent und mit umfassendem Indikationsbereich habt Ihr ja schon gehört. Jetzt geht die Keramik-Story weiter und ich berichte Euch zunächst von dem neuen Fräsgerät – oder besser gesagt: der neuen Fräsmaschine Ceramill Matik von Amann Girrbach. Obwohl rund 67.500 Euro „schwer“, will sie doch alle Labore bedienen, mit Blick  auch auf solche kleinen Zuschnitts. Der Kosteneinsatz lohne sich für die Labore, meine Geschäftsführer Peter Nicklin, denn heute würde der Zahntechniker zu 40 Prozent seiner CAD/CAM-Arbeitszeit mit unproduktiven Nebentätigkeiten beansprucht. Die neue Fräsmaschine nimmt ihm diese ab und das Labor hat mehr Kapazitäten für die Wertschöpfung.

 

Hatte Amann Girrbach vor zehn Jahren noch wenige Rohlingsmaterialien und drei Fräswerkzeuge zu deren Bearbeitung im Programm, so ist die Vielfalt verarbeitbarer Blanks heute auf weit über 500 angewachsen, für die 27 Fräswerkzeuge benötigt werden. Hiermit zu jonglieren, will das Koblacher Unternehmen den Anwendern nun abnehmen. Die neue Maschine mit automatischer Material- und Werkzeugzufuhr erkennt alles Mögliche selbstständig – vom Blank bis zur Be- und Abnutzung der Fräswerkzeuge – und handelt autonom. Auch das Reinigen und Putzen vollzieht sich von selbst, mittels Düsen zur Spülung, Trockengebläse und Späne-Sammlung. Keine Laborkraft muss mehr dazu abgestellt werden.

 

Redet später niemand mehr vom Fräsen ...?

 

Noch sind Fräsgeräte und –Maschinen und die Fräskeramiken das Maß aller Dinge, mal abgesehen vom Metallguss, – trotz hohen Abfallaufkommens, trotz Form-Restriktionen, trotz Nachbearbeitungsschwierigkeiten. Die diesjährige IDS zeigt aber, dass dies keineswegs ein für alle Zeiten in Stein gemeißelter Zustand ist. Euer Muffel-Bote hat für Euch an zwei Ständen in die Zukunft geblickt.

 

Neu auf der IDS ist die Firma Lithoz aus Wien. Sie ist beim Druck von Keramik für industrielle und medizinische (permanente Implantate, Knochenersatzmaterial und mehr) Anwendungen etabliert – jetzt stellt sie der Dentalwelt ihren ersten Dental-Drucker samt druckbarer Keramik für definitiven Zahnersatz vor. "Wir sind auf der Suche nach dentalen Anwendungen, bei denen der 3D Druck seine Vorteile zeigen kann", sagte Geschäftsführer Dr. Johannes Homa. Im Moment werden Technologie-Freunde aus dem Labor, niedergelassene Zahnärzte und Wissenschaftler als Partner und Berater gesucht. Was die Druck-Keramik kann, steht schon fest. Zirkoniumdioxid-Partikel sind im lichthärtenden Bad suspendiert. Nach dem 3D-Druck haben die Objekte eine Vier-Punkt-Biegefestigkeit von 930 MPa und eine Dichte von über 99 Prozent der theoretisch möglichen – das ist der gleiche Wert, der auch mit Fräskeramiken erzielt wird. Der Druck ist präzise genug, um ein feines Okklusalrelief zu schaffen, dünne Tabletops zu realisieren oder eine robuste drei- oder viergliedrige Brücke zu bewerkstelligen. Die Nachbearbeitung ist sehr viel einfacher als bei fräsbarem Zirkoniumdioxid.

 

Der Paukenschlag: Bego bringt’s

 

Aber einen Schritt weiter geht Bego. Heute wurde das erste 3D-Druckmaterial für definitve Einzelzahnrestaurationen aus Keramik-Kunststoff-Hybridmaterial vorgestellt (Kronen, Inlays, Onlays, Veneers). Es heißt VarseoSmile Crown, erfüllt die Anforderungen der Klasse IIa nach dem Medizinproduktegesetz (in Zulassung) und soll ab den 15. Mai 2019 verfügbar sein. Mit Vita-Komposit sind die gedruckten Kronen individualisierbar. Das Material, in 250 ml-Flaschen geliefert, besteht zu 40 Prozent aus Keramikpartikeln und darüber hinaus wesentlich aus Füllstoffen und Polymeren. Im neuen Varseo XS, einem nach dem Digital Light Processing (DLP) arbeitenden kompakten Maskenbelichtungs-Drucker, bescheinen LEDs das flüssige Bad und lassen die Objekte einschließlich Stützstrukturen aus diesem herauswachsen. Die so entstandenen Kronen haben ein ästhetisches keramisches Erscheinungsbild, sie sind farb- und formstabil und haben im Zulassungstest Kauzyklen von 1.200.000 unbeschadet überstanden. Aufgrund der guten physikalischen Eigenschaften und der sehr geringen Wasseraufnahme von 9 Mikrogramm nach der geforderten ISO-Norm, konnte das Material in die MPG-Klasse IIa eingeordnet werden und Bego übernimmt eine Garantie von zwei Jahren. Es gibt eine validierte Prozesskette – und Zahntechniker werden das Finieren und das Gefühl beim Finieren lieben, das viel mehr Möglichkeiten lässt als die Fräskrone. Den Zahnarzt wird es freuen, dass die Objekte mit Dualzement befestigt werden.

 

Ihr lieben Leser: Damit, so kann man nicht aufhören zu betonen, hat der heutige Tag eine neue Ära in der Zahntechnik eingeläutet.

 

Es grüßt Euch herzlich von der IDS

Euer muffel-bote

    --> PS: Alle Liveberichte von der IDS 2019 kann man noch einmal unter dem Menüpunkt "der muffel-bote" nachlesen.

 

Kontakt:

Dr. Gisela Peters
Lohrbachstr. 8

61350 Bad Homburg

Mail: peters.gisela@t-online.de